Pfiat di Mama

June 30, 2026

Heute ist Muttertag,

der erste Muttertag ohne dich. Weißt du, ich habe mir schon vor Jahren vorgenommen, dir zu schreiben, wenn du nicht mehr da bist, und ich habe es bis jetzt herausgezögert … kennst mich eh.

 

Du warst eine gute und herzliche Mutter, und ich hoffe, ich war im Großen und Ganzen ein guter Sohn. Du hast dich mehr um andere gekümmert als um dich selbst. Mir fehlt, dass du mir nicht mehr sagst, ich soll eine Haube aufsetzen, und dass du mich mit Weihwasser besprengst, wenn ich das Haus verlasse.

 

Du hattest viele schwere Prüfungen in deinem Leben und bist trotz allem immer weitergegangen. Obwohl du nicht viel gereist bist, warst du ein offener und vorurteilsfreier Mensch. Dir wäre es nie eingefallen, zu einem schwarzen Menschen das N‑Wort zu sagen. Und du hast dich definitiv mehr für Tennis interessiert als ich. So ist es schon einmal passiert, dass du spät am Abend gemeinsam mit der Nachtschwester Tennis geschaut hast. Deinen gesunden Humor hast du mir vererbt, ebenso die Liebe zu Zitaten und Witzen, die du immer aus Zeitungen ausgeschnitten, mir vorgelesen hast – und so vieles mehr.

 

Bei deinem Begräbnis ist der Bilderrahmen mit dir immer so gestanden, dass du mich angeschaut hast. So warst du die ganze Zeit über immer bei mir. Und ich weiß, dass dir das Begräbnis gefallen hätte. Ich dachte, ich würde nervös sein, wenn mich alle anschauen, aber es war gar nicht so. Du wärst stolz auf deinen Buben gewesen …

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Dieses Bild habe ich für dich gemacht. Die hellen Stellen markieren die guten Stunden, die dunklen Flecken deine schwersten Stunden. Die anderen Bewegungsbilder habe ich für dich an deinem Todestag gemacht. An diesem Tag hat die Sonne nur für dich geschienen. Diese Bilder werden mich immer an dich erinnern.

 

Es ist Zeit, Pfiat di, Mama zu sagen. Du fehlst, aber du wirst immer bei mir sein. Und es ist mir eine Ehre, jetzt deine Halskette mit dem Kreuz tragen zu dürfen.

 


Allerheiligen – Heim kommen

December 30, 2025

Allerheiligen – Heim kommen

Allerheiligen ist für viele ein besonderer Tag, an dem die Familie zusammenkommt und der Verstorbenen gedenkt. So stehe auch ich wieder einmal am Friedhof, umgeben von meiner Familie. Der Schweiß steht mir auf der Stirn – es ist viel zu heiß für diese Jahreszeit. Ich frage mich, ob das typische, grausig kalte Allerheiligenwetter überhaupt noch existiert. In diesem Moment kommt mir das Wort „heimkommen“ in den Sinn. Besonders an diesem Wochenende kehren viele Dechantskirchner, die mittlerweile woanders leben, in die Heimat zurück, um ihren Vorfahren zu gedenken.

Ich selbst, der eigentlich immer hier ist, stehe ebenfalls da und merke, wie mein Blick immer wieder zum Familiengrab meines Freundes wandert. In der Hoffnung, ihn an diesem Tag vielleicht noch einmal wiederzusehen, ertappe ich mich dabei, wie ich warte. Und ich bin mir sicher, dass nicht nur ich darauf hoffe, jemanden wiederzusehen.

Mein Blick fällt hinunter zur Kirche, die von einem sanften, blauen Himmel umrahmt wird. Dort wurden die meisten von uns getauft und hier oben am „Ochsengupf“, wie wir Einheimischen sagen, finden wir unsere letzte Ruhestätte – unser letztes Dahoam.

Den Allerheiligentag beende ich traditionell mit einem Besuch am Friedhof am Abend. Es ist jedes Mal ein besonderer Anblick, die vielen Lichter zu sehen. Obwohl die Menschen schon gegangen sind, erinnern die zahlreichen Kerzen an die Verstorbenen. In dieser besonderen Atmosphäre sind die Fotos entstanden, bei denen ich versucht habe, die Lichter tanzen zu lassen.

Let the light dance for those who can no longer be with us.

 

 


Heimat oder doch lieber „Dahoam“

December 10, 2020

Heimat oder doch lieber „Dahoam“
 

Welches Bild würde ich jemanden zeigen, wenn man auf meine Heimat zu sprechen kommt? Vermutlich eher ein Postkartenfoto, wo man neben der idyllischen Ortschaft auch die schöne Landschaft sieht, die Sie umgibt.

Aber welches Bild beschreibt für mich persönlich wirklich meine Heimat?

Ich würde folgendes Foto wählen! Das ist der Blick von meinem Garten. Wenn man genau schaut, sieht man den Kirchturm und dahinter die Kapelle am Friedhof. Das Ganze ist eingerahmt von viel Natur.

DechantskirchenDechantskirchen

Also Dahoam ist der Ort wo ich mich am wohlsten fühle. Ich mag die Landschaft, die Menschen und Erinnerungen, die in meinem Herzen fest verankert sind.

Mein Dahoam ist aber auch nur ein ganz kleiner Fleck auf diesem Planeten. Das vergessen die Menschen, die hier leben, manchmal - wie ich finde. Man schaut nicht über den Tellerrand, verzettelt sich in irgendwelchen nichtigen Kleinkriegen, ist skeptisch gegenüber Neuem.

Ich habe lange nur das Wochenende in meinem Dahoam verbracht, habe durch meinen Job Personen aus anderen Kulturen getroffen, habe erfahren, wie es sich anfühlt, in einer Großstadt zu leben. Und ich war sehr gerne in Wien - der schwarze Humor und vor allem die Kultur dieser Stadt haben es mir angetan. Dieser Mix an Erfahrungen formt einen.

 


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