Heute ist Muttertag,
der erste Muttertag ohne dich. Weißt du, ich habe mir schon vor Jahren vorgenommen, dir zu schreiben, wenn du nicht mehr da bist, und ich habe es bis jetzt herausgezögert … kennst mich eh.
Du warst eine gute und herzliche Mutter, und ich hoffe, ich war im Großen und Ganzen ein guter Sohn. Du hast dich mehr um andere gekümmert als um dich selbst. Mir fehlt, dass du mir nicht mehr sagst, ich soll eine Haube aufsetzen, und dass du mich mit Weihwasser besprengst, wenn ich das Haus verlasse.
Du hattest viele schwere Prüfungen in deinem Leben und bist trotz allem immer weitergegangen. Obwohl du nicht viel gereist bist, warst du ein offener und vorurteilsfreier Mensch. Dir wäre es nie eingefallen, zu einem schwarzen Menschen das N‑Wort zu sagen. Und du hast dich definitiv mehr für Tennis interessiert als ich. So ist es schon einmal passiert, dass du spät am Abend gemeinsam mit der Nachtschwester Tennis geschaut hast. Deinen gesunden Humor hast du mir vererbt, ebenso die Liebe zu Zitaten und Witzen, die du immer aus Zeitungen ausgeschnitten, mir vorgelesen hast – und so vieles mehr.
Bei deinem Begräbnis ist der Bilderrahmen mit dir immer so gestanden, dass du mich angeschaut hast. So warst du die ganze Zeit über immer bei mir. Und ich weiß, dass dir das Begräbnis gefallen hätte. Ich dachte, ich würde nervös sein, wenn mich alle anschauen, aber es war gar nicht so. Du wärst stolz auf deinen Buben gewesen …

Dieses Bild habe ich für dich gemacht. Die hellen Stellen markieren die guten Stunden, die dunklen Flecken deine schwersten Stunden. Die anderen Bewegungsbilder habe ich für dich an deinem Todestag gemacht. An diesem Tag hat die Sonne nur für dich geschienen. Diese Bilder werden mich immer an dich erinnern.
Es ist Zeit, Pfiat di, Mama zu sagen. Du fehlst, aber du wirst immer bei mir sein. Und es ist mir eine Ehre, jetzt deine Halskette mit dem Kreuz tragen zu dürfen.